Pranayama – die Kontrolle der Lebensenergie!

Das liest sich ambitioniert und lädt zum philosophischen Diskurs ein. Was ist Lebensenergie? Können wir sie kontrollieren? Wenn ja, wie? Lebensenergie wird im Pranayama oft mit dem Atem gleichgestellt, weil wir so einen physischen Bezug zur Energie haben. Doch Pranayama ist nicht nur die Technik, die unseren Energiefluss optimieren kann, sondern auch die Erfahrung dieser Optimierung selbst.

Die Atmung ist ein integraler Bestandteil unseres Stoffwechsels. Sie erlaubt uns, Sauerstoff aus der Luft aufzunehmen, in die Körperzelle zu transportieren, wo er zur Energiegewinnung genutzt wird, und das daraus entstehende Kohlenstoffdioxid wieder auszuatmen. Wir tun das in der Regel etwa 20‘000 mal pro Tag und meist unbewusst. Der erste Schritt im Pranayama ist die Bewusstwerdung dieses Lebensprozesses.

Der zweite Schritt ist die Optimierung. Obgleich es kein ‚richtiges‘ oder ‚falsches‘ Atmen gibt, können wir durch verschiedene Atemtechniken Prozesse auslösen. Beispielsweise aktiviert langes und ruhiges Ausatmen den Parasympathikus, was stressvermindernd und beruhigend wirkt. Intensives Ein- und Ausatmen reduziert vorübergehend den Gehalt von Kohlenstoffdioxid im Blut, was eine Art Reset in der Sauerstoffverbrennung bewirkt.

Die konstante Nasenatmung erhöht die Stickstoffkonzentrationen im Körper, und eine volumenreduzierte Atmung optimiert unsere Herzfrequenvariabilität.

Philosophisch gesprochen, sollten wir unsere Energie nicht zu kontrollieren versuchen. Wir sollten sie fliessen lassen. Und die Techniken des Pranayama helfen uns dabei, die Energiefluss zu verbessern, zu lenken, und – in erster Linie – bewusster zu atmen.